Das Research Center for the History of Transformations (RECET) an der Universität Wien und die Forschungsplattform "Transformations and Eastern Europe" veranstalten am 7.10. 2021 zum zweiten Mal ihren »Transformativen Salon«. Der Begriff der Transformation wird nicht nur für postkommunistischen Staaten nach 1989, sondern angesichts der Gefährdung der liberalen Demokratie und des umfassenden sozialen Wandels auch für westliche Länder angewendet. Der Salon findet während des Semesters jeweils am ersten Donnerstag des Monats im Café Florianihof statt, so dass eine breitere Öffentlichkeit teilnehmen kann.
7.10.2021 ab 19 Uhr
Der Balkan 30 Jahre nach dem Jugoslawienkrieg. Analyse eines erfolgreichen Scheiterns
Im Sommer 1991 begann mit den Unabhängigkeitserklärungen von Slowenien und Kroatien der blutige Zerfall des sozialistischen Jugoslawiens. Es folgten lange Kriege, das Abkommen von Dayton und der Konflikt im Kosovo. Die westliche Intervention beendete die Kriege, doch hat sie auch dauerhaften Frieden und Entwicklungsperspektiven gebracht? Enttäuscht über die leeren Versprechen der EU, unfähig zu tiefgehenden politischen Reformen, gespalten zwischen Ethnien, getrennt durch den unversöhnlichen Blick auf die gemeinsame Geschichte, wärmen einige jugoslawischen Nachfolgestaaten alte Feindbilder auf und wenden sich anderen Mächten zu; Russland, China, die Türkei und die Golfstaaten nutzen ihre Einflussmöglichkeiten.
Valentin Inzko war von 2009 bis 2021 Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina. Eine seiner letzten Amtshandlungen war die Änderung des nationalen Strafgesetzbuchs in der von ethnischen Konflikten zerrissenen Republik: Die Leugnung des Massakers von Srebrenica 1995 als Völkermord kann nunmehr mit jahrelanger Haft bestraft werden.
Der Österreicher, der wohl eines der schwierigsten Ämter ausfüllte, das die internationale Gemeinschaft zu vergeben hat, spricht im Transformativen Salon über: „Der Balkan nach Afghanistan: Die westliche Intervention in Bosnien-Herzegowina, ihre Probleme und Folgen“.
Marie-Janine Calic, Professorin für die Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Universität München, Politikberaterin und exzellente Balkan-Kennerin, ergänzt und kommentiert Inzkos Analyse mit Betrachtungen zum „Krieg im ehemaligen Jugoslawien – 30 Jahre danach.“
Cathrin Kahlweit, Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung für Mittel- und Osteuropa, moderiert die Veranstaltung. An die Podiumsdiskussion schließt sich eine öffentliche Debatte an.
Der Transformative Salon findet im Café Florianihof in der Florianigasse 45 statt.
Wegen der begrenzten Sitzplätze wird um eine Anmeldung unter recet@univie.ac.at - und um die Einhaltung der Corona-Auflagen (3G: geimpft, getestet, genesen) gebeten.
Das Event wird via Zoom live übertragen. Zur Anmeldung für die Online-Session bitte hier klicken.


